Weimar-Fahrt 22.06. – 25.06.2026

Tag 1: Anreise und Stadtführung

An einem der heißesten Sommertage im Juni, die je aufgezeichnet wurden, startete unsere Weimar-Fahrt gemeinsam mit Frau Reisinger und Frau Geißler um 9 Uhr am Lehrerparkplatz. Nach einem Zwischenstopp erreichten wir um 13.30 Uhr unser „a & o Hostel“ in Weimar.

————————

Noch am selben Tag ging es direkt weiter mit einer sonnigen Stadtführung, bei der wir viel über die Geschichte und die Entwicklung Weimars erfuhren: Unsere Führung begann am Hotel „Elephant“.
Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Hotel von Adolf Hitler umgebaut. Um mehr Präsenz und Macht zu demonstrieren, wurde der Balkon zentral über den Haupteingang verlegt. Hitler übernachtete hier etwa 40 Mal und das Hotel diente ihm als symbolischer Ankerplatz mit direktem Blick auf den riesigen Marktplatz.

Weiter ging es zum Platz der Demokratie, direkt vor der bekannten Musikhochschule „Franz Liszt“ und der Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Im Zentrum des Platzes steht ein großes Pferd mit Carl August. Doch wer genau war Carl August und was hatte er mit Anna Amalia zu tun? Anna Amalia kam als junges Mädchen nach Weimar, um den ihr bis dahin unbekannten Herzog zu heiraten. Mit ihm bekam sie ihren Sohn Carl August. Als ihr Ehemann früh verstarb, war Carl August noch zu jung, um Weimar zu übernehmen. Daraufhin entschied Anna Amalia im Jahr 1759, die Regierungsgeschäfte so lange eigenständig zu führen, bis ihr Sohn 18 Jahre alt war. Dies zeigt den Übergang zu einer revolutionären Weiterentwicklung der Stadt Weimar.

Anna Amalia war zudem dafür bekannt, viele Bücher in die Stadt zu bringen. Exklusiv für diese Sammlung wurde die nach ihr benannte Bibliothek errichtet. Mit der Übernahme der Regierungsherrschaft öffnete sie die Bibliothek und machte sie für jeden frei zugänglich.

Nach diesen Einblicken ging es weiter in den Park an der Ilm. Obwohl der Park zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, ist er komplett frei begehbar und wird von vielen Menschen lebhaft genutzt. Ob für Joggingrunden, Picknicks mit Freunden, Spaziergänge mit Hunden oder eben Stadtführungen – dieses Kulturgut wird von der heutigen Generation sehr wertschätzend gepflegt und genutzt.

Aus der Ferne sahen wir das Geschenk von Carl August an Goethe: das Gartenhaus inmitten eines wunderschönen Gartens. Es war ein Symbol ihrer innigen Freundschaft und der entscheidende Auslöser dafür, dass Carl August und Goethe die Stadt Weimar modernisierten.

Unser Weg führte uns weiter durch die Seifengasse außerhalb der ehemaligen Stadtmauer. Ihr Name erinnert an die damalige Zeit, als es hier oft streng nach Tierfell, Knochen und Talg (den damaligen Rohstoffen für die Seifenherstellung) roch.

Am heutigen CineStar-Gebäude erfuhren wir, dass dieser Ort während der NS-Zeit für politische Großveranstaltungen genutzt wurde. Der Reichsjugendführer Baldur von Schirach, der mit Hitler eng befreundet war, nutzte Weimar als ein Zentrum für die Hitlerjugend. Am Ende war die NS-Führung in Thüringen dafür verantwortlich, dass Zehntausende Menschen in die Konzentrationslager deportiert wurden…

Vorbei am Goethe- und Schiller-Wohnhaus gelangten wir zum Abschluss der Stadtführung zum Theaterplatz mit dem berühmten Goethe-Schiller–Denkmal.
Die Führung endete mit einem passenden Gedanken über das Verhältnis der beiden Dichter: „Wir haben uns verstanden, obwohl wir nicht immer gleicher Meinung waren.“

Dieses Zitat spiegelt Toleranz, Verständnis und die Vielfalt einer Gesellschaft wider und erinnert daran, dass wir trotz Meinungsverschiedenheiten stets wertschätzend und respektvoll miteinander umgehen sollten.

————————

Nach reichlich Freizeit kehrten wir zum Abendessen ins Hostel zurück. Trotz der Hitze wollten wir danach nochmals in die Stadt, um diese zu erkunden: Einige zog es in den „Havana Club“, andere besuchten die „Cascada Bar“, und ein paar von uns ließen den Abend entspannt im Park ausklingen. Es war ein wunderschöner erster Tag in Weimar, und wir waren alle gespannt auf die kommenden Tage.

————————

Tag 2: Leben der Dichter und Denker

Mit etwas frischerem Wind bei strahlendem Sonnenschein starteten wir Tag 2 mit dem Besuch von Goethes Gartenhaus. Hier erfuhren wir einiges über Goethes Leben und sein Umfeld in Weimar. Eine besonders schöne Zeit verbrachte Goethe während des Frühjahrs und Sommers im Vorgarten, wo er sich kreativ von der Natur inspirieren ließ und sein künstlerisches Auge aufleuchten lassen konnte.

Dieses Gartenhaus diente damals auch der geheimen Kommunikation zwischen Goethe und seiner Affäre Charlotte von Stein. Wenn ihr Ehemann nämlich nicht zu Hause war, stellte Charlotte eine brennende Kerze als Signal an ihr Fenster. Goethe konnte dieses Licht von seinem Gartenhaus aus sehen, wusste, dass die Luft rein war, und machte sich auf den Weg zu ihr.

————————

Danach ging es zur weltberühmten Anna Amalia Bibliothek, in der wir im Rokokosaal anhand der historischen Buchbestände die Geschichte, die wir bereits am Vortag kennengelernt hatten, anschauen konnten.

————————

Das Gleiche galt für das Schiller-Wohnhaus in der Stadt. Der Rundgang führte uns quer durch Schillers Lebensgeschichte – von seinem Arbeitsplatz über das Schlafzimmer und die Küche bis hin zu interaktiven Stationen mit seinen bekanntesten Zitaten. Es war eine tolle Gelegenheit, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen.

————————

Da aktuell die Fußball-Weltmeisterschaft stattfand, durfte das Public Viewing am Abend natürlich nicht fehlen. In Gruppen genossen wir den Abend, spielten Billard, lachten, ließen uns zur Erinnerung an die Weimar-Fahrt ein paar Henna-Motive malen und fieberten beim WM-Spiel England gegen Ghana mit, das am Ende 0:0 ausging.

————————

Tag 3: Gedenkstätte Buchenwald, Fürstengruft und das Goethehaus

Ein Tag wie jeder andere in der NS-Zeit bedeutete für die Häftlinge unvorstellbares Leid: Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle und politische Gefangene wurden misshandelt, gefoltert, für medizinische Experimente missbraucht, erschossen oder im Krematorium verbrannt. Für uns ging es heute zur Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald.

Direkt am Eingangstor fiel uns die stehengebliebene Uhr auf:

Sie zeigt 15.15 Uhr – den exakten Zeitpunkt der Befreiung der Gefangenen durch die US-Armee am 11. April 1945 und das Ende der qualvollen Zeit in Buchenwald.
Umso wichtiger ist es heute, diese Erinnerungskultur aufrechtzuerhalten. Die historischen Gebäude, die Fundamente und das Gelände helfen dabei, sich in diese grausame Zeit – so weit es geht – hineinzuversetzen.

Besonders erschreckend war der Lagerzoo im KZ Buchenwald, welcher auf Befehl des Lagerkommandanten 1938 direkt gegenüber dem Häftlingszaun errichtet wurde.

Dieser sollte den SS-Männern, ihren Frauen und Kindern in der Freizeit zur Unterhaltung, Ablenkung und als scheinbar schöner Ort dienen – gleichzeitig wurden die Tiere mit Spendenmitteln für die Häftlinge gut ernährt, während direkt nebenan die Insassen verhungerten und systematisch ermordet wurden…

Auch der Dokumentarfilm mit Berichten von Zeitzeugen, den wir im Kinosaal sahen, machte uns die Gräuel der NS-Zeit noch einmal eindringlich bewusst.

Mit Audioguides liefen wir über das weitläufige Gelände, vorbei an den ehemaligen Barackenfundamenten und dem Krematorium, um uns abschließend gemeinsam die historische Ausstellung anzusehen.

Insgesamt waren hier rund 277.800 Häftlinge aus über 50 Ländern im Alter zwischen 2 und 86 Jahren eingesperrt, darunter 28.230 Frauen und 249.570 Männer. Zwischen 1938 und 1945 stieg die Zahl der im Lager eingesperrten Menschen massiv an. 1.944 Menschen wurden von hier aus in Todestransporten in die Vernichtungslager, unter anderem nach Auschwitz, deportiert.

Insgesamt verloren schätzungsweise 56.000 Menschen in Buchenwald ihr Leben – ein Schicksal, das man sich in der heutigen Welt kaum vorstellen kann.

————————

Nach diesem bedrückenden, aber enorm wichtigen Einblick in die Geschichte ging es zurück nach Weimar zur Fürstengruft auf dem historischen Friedhof. Hier sahen wir unter anderem die Särge von Johann Wolfgang von Goethe und Herzog Carl August. Auch der Sarg von Friedrich Schiller steht hier – dieser ist jedoch leer: Schiller wurde damals zunächst in einem Massengrab beigesetzt. Die Knochen, die man später fand und in die Gruft legte, stellten sich im Jahr 2008 durch einen DNA-Abgleich als nicht die Knochen Schillers heraus, weshalb sein Sarg heute leer bleibt.

————————

Die anhaltende Hitze trieb uns danach zu einer wohlverdienten Eis- und Essenspause. Anschließend liefen wir zu Goethes Wohnhaus, um mehr über sein Leben zu erfahren.

Wir hatten das große Glück und Privileg, der letzte 12er Jahrgang zu sein, der das Haus für die nächsten drei Jahre besichtigen durfte, da ab November umfassende denkmalgerechte Restaurierungsarbeiten stattfinden.

Und so legten wir eine Schattenpause im blühenden Garten von Goethes Haus ein und verewigten uns im Gästebuch 🙂

————————

Danach teilte sich die Gruppe auf: Einige entspannten an der Ilm, während der andere Teil im Freibad schwimmen ging. Wir genossen die Zeit beim Beachvolleyball, beim Springen vom 10-Meter-Turm, beim Malen weiterer Henna-Tattoos und mit guter Musik.

————————

Nach dem Abendessen zog es uns traditionell wieder in die bekannten Bars, wo wir das nächste WM-Spiel verfolgten: Schweiz gegen Kanada (Endstand 2:1). Bis spät in die Nacht ließen wir unseren letzten gemeinsamen Abend ausklingen.

————————

Tag 4: Abreise und Bauhaus-Museum

Früh am Morgen hieß es: Aufstehen, Taschen packen und die Zimmer aufräumen.

Währenddessen sangen wir noch Musicallieder im Flur, bevor es zum Bauhaus-Museum ging. Das Museum bot uns faszinierende Einblicke in die weltberühmte Kunst, das Design und die Architektur der Weimarer Stadtkultur.

Um 13.15 Uhr traten wir schließlich die Heimreise nach Ingelheim an – nach guten vier Stunden ging eine unvergessliche Weimar-Fahrt zu Ende…

DANKE an alle, die uns diese Fahrt in diesem Umfang ermöglicht haben und ein riesiges Dankeschön an Frau Geißler und Frau Reisinger, die uns begleitet und sie zu etwas ganz Besonderem gemacht haben 🙂

Eure Weimar-Truppe 2026

Hanna Salziger 12 M