Ein DaZ-Treffen, das Mut gemacht hat
Viele Gäste, gespannte Aufmerksamkeit und eine besondere Atmosphäre: Das DaZ-Treffen an unserer Schule war mehr als eine Informationsveranstaltung – es war ein echtes Wohnzimmergespräch über Sprache, Leben und Zukunft.
Schon der Aufbau machte deutlich, dass es an diesem Nachmittag nicht um Frontalunterricht ging. Die Bühne erinnerte an ein Talk-Studio, und genau das wurde sie auch. Auf der Bühne standen Sofas, ein niedriger Tisch, Bücher und Spiele. In der Luft: eine Mischung aus Erwartung, Neugier und dem Gefühl, dass hier gleich etwas Besonderes passieren würde. Das DaZ-Treffen war mehr als eine Veranstaltung – es war ein Gespräch auf Augenhöhe, ein offener Raum für Geschichten, die sonst vielleicht ungehört bleiben.
Ein besonderes Highlight war die Moderation: Diese übernahm eine ehemalige Schülerin unserer Schule (Müleyke Gazioglu), die 2024 ihr Abitur gemacht hat und inzwischen studiert. Mit viel Feingefühl, Humor und eigenen Erfahrungen führte sie durch die Gespräche und schuf eine Atmosphäre, in der offen über Herausforderungen, Mehrsprachigkeit, Identität und Erfolge gesprochen werden konnte.
Inhaltlich war das Treffen klar strukturiert und zugleich sehr lebendig. Zunächst kamen Mittelstufenschülerinnen und -schüler. Sie erzählten, wie es sich anfühlt, zwischen Sprachen zu pendeln, im Unterricht mitzukommen, wenn Deutsch noch nicht zur Routine geworden ist. Es folgten Oberstufenschülerinnen und -schüler und schließlich ehemalige Absolventinnen und Absolventen, die gerade ihr Abitur gemeistert haben. Ihre Botschaft: Es ist ein Weg – fordernd, aber machbar.



Spannend waren die Berichte von Gästen aus anderen Schulen. Einige erzählten von ihrem Wechsel von der Realschule auf das Gymnasium (u.a. Mariia Kirichenko) – und davon, welche Herausforderungen, aber auch Chancen dieser Schritt mit sich brachte. Andere – sehr mutig – berichteten von einem weniger erwarteten Weg: dem Wechsel vom Gymnasium auf die Realschule (Mirkhail BibiGulsum). Deutlich wurde dabei vor allem eines: Das war kein Scheitern, sondern eine neue Möglichkeit, sich anders, passender und sogar erfolgreicher weiterzuentwickeln. Erfolg hat viele Gesichter.
Unter den Zuhörerinnen und Zuhörern saßen auch Eltern, die noch kein Deutsch sprechen. Auch sie sollten nicht außen vor bleiben: Am Ende des Treffens gab es die Möglichkeit, Fragen an eine muttersprachliche DaZ-Schülervertretung zu stellen. Dabei wurde in vier Sprachen kommuniziert: Spanisch, Arabisch, Russisch und Türkisch. So wurde Teilhabe ganz praktisch erlebbar.
Immer wieder wurde deutlich: Deutsch zu lernen ist mehr als Vokabeln und Grammatik. Es geht um Ankommen, Zugehörigkeit, Mut und darum, den eigenen Weg zu finden. Jeder Gast erhielt zum Abschluss eine kleine Inspiration: ein Kärtchen aus der Reihe „Mut ist, wenn du es trotzdem machst.“
Am Ende blieb ein starkes Gefühl von Verbundenheit. Ehemalige und aktuelle Schülerinnen und Schüler, Eltern, Gäste, verschiedene Sprachen, Bildungs- und Lebenswege – alle kamen zusammen.
Die Veranstaltung schloss mit einem Appell an die Lehrerinnen und Lehrer, die Stimmen aller Schülerinnen und Schüler bewusst wahrzunehmen und wertzuschätzen – besonders jener, die im Schulalltag leiser sprechen oder zu Minderheiten gehören. Denn genau darin liegt eine Chance: gemeinsam eine Schulkultur zu gestalten, in der jede Perspektive zählt. Eins ist sicher: Das nächste DaZ-Treffen ist bereits geplant. Denn solche Geschichten sollten kein einmaliges Ereignis bleiben, sondern zum Herzschlag unserer Schulgemeinschaft werden.






An dieser Stelle möchte ich mich ganz persönlich herzlich bei folgenden Schülerinnen und Schülern bedanken: Marharyta Yarmola, Samir Sayeedi, Ana Janiszewski, Mikita Shashkou, Mariia Kirichenko, Rovanio Salib, Francesca Gurruchaga Luque, Petra Semolic, Elif Sentürk dafür, dass ihr den Mut hattet, eure Geschichten zu teilen und eurer Stimme Raum zu geben. Ihr habt offen gesprochen, Erfahrungen sichtbar gemacht und damit vielen anderen Mut geschenkt. Ihr habt bewiesen, dass jede Schwierigkeit, jedes neue Wort, jeder kleine Schritt Teil einer großen Geschichte sein kann – eurer Geschichte.
Alle anderen, die sich entschieden haben, anonym zu bleiben, möchte ich ebenso ermutigen:
Eure Geschichten sind genauso wertvoll. Ihr müsst euch nicht verstecken.Ich hoffe sehr, dass ihr bei den nächsten Treffen den Mut findet, euch zu zeigen und zu sprechen – in eurem Tempo und auf eure Weise.
Denn unser Motto gilt für euch alle: „Heute lernst du Wörter. Morgen schreibst du Geschichte.“
Tatyana Vester (DaZ-Förderunterricht)