Besuch des „jugend presse kongress“ in Potsdam – Erfahrungsbericht einer Schülerzeitungsredakteurin

Vom 23. bis 25. Mai 2025 durfte ich am 201. jugend presse kongress von young leaders teilnehmen. Die Veranstaltung, gefördert vom Bundesministerium für Verkehr, widmete sich den Themen Nachhaltigkeit und Mobilität. young leaders bringt engagierte junge Menschen zusammen, die gesellschaftliche Zukunftsfragen diskutieren und neue Perspektiven kennenlernen wollen.

Den Auftakt machte Prof. Dr. Löffl vom Institut für Wissenschaftsdialog der Technischen Hochschule OWL Lemgo. Er beleuchtete Nachhaltigkeit aus historisch-philosophischer Sicht. Seine zentrale Botschaft: Die Welt befindet sich in einem tiefgreifenden Umbruch. Entwicklungen sind heute nicht mehr linear, sondern verlaufen in komplexen Systemen. Dadurch entstehen Unsicherheiten, die viele überfordern.

Die digitale Revolution hat Machtstrukturen verschoben und erfordert neue Formen von Empathie, Verantwortung und kritischem Denken. Nachhaltigkeit sei dabei oft ein „blinder Fleck“: Wir nutzen den Begriff, ohne ihn wirklich zu verstehen. Prof. Dr. Löffl betonte, dass Angst ein schlechter Ratgeber ist. Stattdessen brauche es Neugier, erweiterte Horizonte und die Frage: Was ist sinnvoll? Nicht jede technische Möglichkeit sollte ungeprüft genutzt werden.

Nachhaltigkeit dürfe kein moralischer Zeigefinger sein. Viele Menschen verstehen nicht, was der Begriff tatsächlich umfasst – und doch können Veränderungen gelingen, auch wenn nicht alle aktiv mitziehen. Wichtig seien Anreize, kluges Handeln und der Mut, Routinen zu hinterfragen. Lösungen gebe es bereits viele; entscheidend sei, dass Menschen Verantwortung übernehmen und Hoffnung bewahren.

Dr. Guido Heinen, Ministerialdirigent des Deutschen Bundestages, zeigte, wie stark Medien unser Denken und Handeln beeinflussen. Medien seien kein neutraler Spiegel der Welt, sondern filtern Informationen. Konzepte wie Gatekeeping, Framing und Agenda-Setting prägen unsere Wahrnehmung – oft unbewusst. Gleichzeitig befindet sich der Journalismus in einer Krise: wirtschaftlicher Druck und der Kampf um Aufmerksamkeit verändern die Berichterstattung. Dennoch liegt auch eine Chance in diesen Entwicklungen: Noch nie war es so einfach, selbst zu recherchieren – Voraussetzung ist allerdings Medienkompetenz.

Im Vortrag von Andreas Hain (ARD) ging es um Mobilität als Schlüsselthema. Studien zeigen, dass Autos in Medien viel häufiger dargestellt werden als Bus und Bahn und das prägt unser Bild von Mobilität. Mobilität sei nicht nur Fortbewegung , sondern ein Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen. Reporter sollten daher nicht nur berichten, sondern erleben, wie sich Mobilitätswandel anfühlt.

Auch Prof. Dr. Jürgen Krahl, Präsident der Technischen Hochschule OWL, sprach über nachhaltige Mobilität und plädierte für Technologieoffenheit. Nicht der Verbrenner an sich sei das Problem, sondern der Kraftstoff. Innovation, Mut und Geduld seien entscheidend, um im Klimawandel handlungsfähig zu bleiben.

Ein besonders anschauliches Beispiel für praktische Nachhaltigkeit vermittelte Albrecht Broemme, Ehrenpräsident der THW-Stiftung. Für ihn bedeutet Nachhaltigkeit: Dinge lange nutzen, gemeinsam anpacken, Bildung stärken – und auch mal bewusst offline sein.

Clara Alena Lütkefels setzte mit ihrem Projekt „Invest it!“ Impulse zur Finanzbildung. Sie ermutigte dazu, pragmatisch zu starten, statt nach Perfektion zu streben, und immer wieder bereit zu sein, neue Wege einzuschlagen.

In vielen Vorträgen wurde deutlich, wie stark Digitalisierung und künstliche Intelligenz unsere Zukunft prägen werden und welche Verantwortung damit einhergeht. Bildung, Regulierung und bewusster Umgang mit Technologie sind zentrale Aufgaben, um gesellschaftliche Veränderungen sinnvoll zu gestalten.

Im Print-Workshop mit Lara Jäkel (WELT) erhielten wir Einblicke in den journalistischen Alltag: Wie schreibt man Kommentare, wie beginnt man eine Reportage und wie bereitet man Interviews vor? Meine Gruppe führte ein Interview mit Prof. Dr. Löffl und verfasste dazu unter Zeitdruck einen Bericht für die Kongresszeitung – eine intensive, aber sehr lohnende Erfahrung.

Der 201. jugend presse kongress hat mir neue Perspektiven auf Nachhaltigkeit, Mobilität und Medien eröffnet. Besonders wertvoll war der Austausch mit so vielen engagierten jungen Menschen.

Die Vorträge und Workshops haben mir gezeigt, wie wichtig kritisches Denken, Eigenverantwortung und Mut zur Veränderung sind. Nachhaltigkeit braucht Ideen, Zusammenarbeit – und die Bereitschaft, die Zukunft aktiv mitzugestalten. Genau diese Energie habe ich an diesen drei Tagen gespürt.

Amelie Trost

Die ungekürzte Version kann hier gelesen werden: https://www.smg-schuelerzeitung.de/post/201-jugend-presse-kongress-von-young-leaders –