Vor über 80 Jahren endete der Zweite Weltkrieg und damit wurde ein Ende der schwersten Verbrechen der Menschlichkeit gesetzt. Millionen Menschen wurden verfolgt, unterdrückt und ermordet. Zahlreiche Menschen waren in Konzentrationslagern und in Gefangenschaft. Danach waren die Überlebenden Zeugen dieser Verbrechen.
Im Zuge der Erinnerungskultur haben das Maximilian-Kolbe-Werk und das Katholische Bistum Mainz Zeitzeugengespräche am 13.04.2026 auf dem Jakobsberg in Ockenheim organisiert. Die gesamte Jahrgangsstufe 12 konnte sich so mit 5 Personen unterhalten, die entweder die grausamen Verbrechen erlebt oder als Zweitzeugen erzählt bekommen haben.
Ein Zeitzeuge war Mieczysław Grochowski, der am 25. März 1939 in nordpolnischem Pommern geboren wurde und 1943 mit seiner gesamten Familie in das Internierungs- und Arbeitslager Lebrechtsdorf-Potulitz verschleppt wurde sowie bis 1945 dort inhaftiert war.
Henriette Kretz, eine weitere Zeitzeugin, wurde am 26. Oktober 1934 in einer jüdischen Familie in der damaligen polnischen Stadt Stanisławów (heute Iwano-Frankiwsk in der Ukraine) geboren und wurde 1941 mit ihrer Familie in ein Ghetto umgesiedelt. Sie und ihre Familie entkamen mehrmals der Deportation, jedoch wurde sie, nachdem sie ein halbes Jahr bei einer polnischukrainischen Familie versteckt worden war, von der Gestapo entdeckt. Ihre Eltern wurden erschossen. Sie konnte fliehen und überlebte in einem von Nonnen geführten Waisenhaus.
Die Polin Józefa Posch-Koyrba wurde am 17. Februar 1938 in Jaworzno im südlichen Polen geboren. Sie und ihre gesamte Familie wurden 1943 von der Gestapo verhaftet. Die Kinder wurden von der Mutter getrennt und wurden in verschiedenen Lagern interniert. Die Mutter kam im Konzentrationslager Auschwitz ums Leben und der Vater wurde als Untergrundkämpfer erschossen.
Der Überlebende Mikołaj Skłodowski kam am Ende des Krieges, am 25. März 1945, im Frauenlager Ravensbrück zur Welt. Seine Mutter wurde nämlich am 1. August 1944 nach dem ausgebrochenen Warschauer Aufstand zusammen mit ihrer Mutter, dem Vater und der Schwester während der Masseninhaftierung der Zivilbevölkerung verhaftet und ins Konzentrationslager deportiert. Der Großvater Mikołajs wurde allerdings nach Auschwitz und dann nach Dachau verschleppt, wo er an den Folgen seiner Inhaftierung 1946 verstarb. Mikołaj erzählte insbesondere darüber, was seine Mutter als Schwangere erlebt hat, wie zum Beispiel, dass sie beim Morgenappell im Lager Ravensbrück bei ihren Vorgesetzten dazu gezwungen wurde, aufrecht zu stehen.
Die Zweitzeugin Dorota Nowakowska erzählte von ihrem Vater Jacek Zieliniewicz, der 1926 in Polen geboren wurde und am 20. August 1943 verhaftet und in das Massenvernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert wurde. Sie erzählte von den Erlebnissen ihres Vaters. Er wurde auf dem Todesmarsch nach Westen am 23. April 1945 durch französische Truppenverbände befreit. Zuletzt wog er noch 38 kg. Ihr Vater verstarb im Jahr 2018.
Im Anschluss an die Zeitzeugengespräche besprachen die Geschichtsgrundkurse und der Geschichtsleistungskurs die Gespräche. Die Gespräche lieferten einen hautnahen Einblick in das Leben der Überlebenden. Die Überlebenden berichteten von ihren schrecklichen Erlebnissen zur Zeit des Nationalsozialismus in Konzentrationslagern. Dabei hatten sie alle eine Message für unsere Jahrgangsstufe, nämlich, dass so etwas nie wieder passieren darf.
Dafür ist Erinnerungskultur da. Wir haben noch das Glück, mit den Überlebenden sprechen zu können. Jedoch sind die Zeitzeugen nicht unendlich da, sie sind endlich. Daher liegt es in unserer Aufgabe, die Erinnerungskultur über Generationen hinweg weiterzutragen. Im Gegensatz zu normalen Textquellen im Geschichtsbuch liefern die persönlichen Erlebnisse einen Einblick in die Geschichten der Opfer des Nationalsozialismus. Es war nicht nur eine Person mit einer Geschichte, sondern viele, zahlreiche Menschen, die Unterschiedliches erlebt haben und Unterschiedliches wahrgenommen haben. Wir dürfen sie nicht vergessen, denn so etwas darf nie wieder passieren.
Zum Abschluss möchte ich euch noch ein bewegendes Zitat von Miecysław Grochowski mitgeben:
„Schätzt euch glücklich, wir leben aktuell in einem Paradies. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schlimm es damals war.“
Armin Fröde (MSS 12)